Artista | Maria Chiariello

Personal Branding als Künstler*in: Strategie & Aufbau (Teil 3)

Artista | Maria Chiariello

22.04.24

„Personal branding is the art of becoming knowable, likable and trustable.“ sagt John Jantsch, der Marketingberater und Autor des Beststellers „Duct Tape Marketing“ bereits in den 90ern.

1997 wird der Begriff „Personal Branding“ erstmalig im Unternehmenskontext geprägt.  

Schachfeld von oben
Was ist deine Strategie? | Bild: Alexander Mils

Personal Branding ist also kein neues Konzept. Bereits seit mehr als 25 Jahren beschäftigen sich Marketing-Experten sowie Unternehmer nun offiziell mit der Kunst der Selbstvermarktung. Was nicht bedeutet, dass es vorher nicht bereits Menschen gab, die sich wunderbar selbst verkaufen konnten. Gerade wenn wir in die Geschichte der Kunst schauen, werden uns viele Beispiele von exzellenten Selbstdarstellern einfallen. Einer der ältesten Kandidaten dürfte dabei Albrecht Dürer sein. Seine „betenden Hände“ erfreuen sich selbst heute noch großer Beliebtheit und gehören quasi zu den Grundmotiven in Tattoostudios. 

Doch wie wirst du eine glaubwürdige Personenmarke? 

Fest steht: um eine erfolgreiche Ich-Marke aufzubauen, bedarf es einer Strategie. Der Aufbau ist ein Prozess, der nicht über Nacht abgeschlossen ist. Du brauchst Kontinuität und Geduld, wenn du dich selbst vermarktest.

Dieser Artikel schließt an die beiden vorangegangenen an:

1. Personal Branding als Künstler: Wer bist du? (Teil 1)

2. Personal Branding als Künstler: Wer soll dich kennen? (Teil 2)

Falls du die Artikel noch nicht gelesen hast, dann empfehle ich dir das nachzuholen. Die beiden ersten Artikel sind quasi das Fundament für deinen Markenaufbau. 

Selbsterkenntnis trifft Zielgruppe

Wenn es um dein Personal Branding geht, dann geht nichts ohne, dass du weißt, wer du bist und wer deine Zielgruppe ist. Schritt für Schritt sind wir diesen beiden wichtigen Fragen in meinem ersten und zweiten Artikel auf den Grund gegangen. Nachdem du nun weißt, welche Werte dir am wichtigsten sind, wie du diese glaubwürdig nach außen tragen kannst, was die Bedürfnisse deiner Zielgruppe sind und wie du diese unterstützen kannst, wollen wir uns im dritten Teil um die Strategie und dem konkreten Aufbau deiner Ich-Marke widmen.

1. Markenarchitektur deiner Brand

In den ersten beiden Artikeln haben wir außen vor gehalten, dass eine Personalbrand nicht nur eine Marke, sondern mehrere verschiedene Marken beinhalten kann. Die Markenarchitektur stellt die Organisation und Strukturierung dieser Marken untereinander dar.

Beispiel: Stell dir vor, du bist Live-Musiker*in und spielst in verschiedenen Konstellationen. Du bist Teil eines Trios, in welchem vorwiegend Klassiker gespielt werden, dann hast du eine Cover-Band, mit welcher du auf öffentlichen Veranstaltungen unterwegs bist und darüber hinaus machst du eigene Musik und treibst dein Soloprogramm voran. Jedes deiner Projekte steht irgendwie für sich und trotzdem hältst du diese durch deine Person zusammen. Was ist dann deine Personalbrand? Im Grunde sind alle deine Projekte eigene Marken mit eigenen Werten, Botschaften und Zielgruppen. Das Klassik-Trio erreicht andere Menschen als die Cover-Band. Deine Markenarchitektur ist wichtig, damit du die Marken untereinander strukturieren und ihre Beziehung zueinander definieren kannst. Wo sind Überschneidungen, wo sind Unterschiede? All das hilft dir, dich klarer zu positionieren.

2. Deine Markenwerte

Im ersten Artikel haben wir bereits gelernt: deine Werte sind der wichtigste Punkt, wenn es um dein Personal Branding geht. Denn deine Werte machen letztlich die Identität deiner Ich-Marke aus.

Wenn du dich für ein paar wenige, starke Werte entschieden hast, dann ist es an der Zeit diese Werte in deine Außenkommunikation einfließen zu lassen. Das muss nicht direkt sein, sondern kann auch in abstrahierter Form sein.

Beispiel: Nehmen wir an, deine Werte sind „Liebe“, „Kreativität“ und „Gesundheit“. Die direkte Variante wäre, dass du einen Claim schreibst, der die Werte benennt, z.B. „Weil Kreativität Liebe für mich ist“. Den Wert „Gesundheit“ könntest du zusätzlich abstrahiert in deine Außenkommunikation einfließen lassen, in dem du z.B. in deinem Content auf den sozialen Medien oder deiner eigenen Web-Präsenz regelmäßig betonst, dass du gerne Sport treibst, einen gesunden Lebensstil pflegst o.ä. Oder vielleicht denkst du bei Gesundheit gar nicht an körperliche Unversehrtheit, sondern eher an Dinge wie Achtsamkeit, mentale Stärke usw. Deine Werte sollten sich auf kontinuierlicher Basis in deiner Außenkommunikation widerspiegeln.

Sei kreativ und denke daran, dass du nicht alles verbal ausdrücken musst, sondern Medien wie Fotos und Videos nutzen kannst. Auch das Design, Schriftarten, Farben usw. spielen bei der Kommunikation von deinen Werten eine große Rolle.

3. Deine Positionierung

Wenn du dich von der Konkurrenz abheben möchtest und im Fokus deiner Zielgruppe landen bzw. dich bei dieser durchsetzen willst, dann benötigst du eine einprägsame und klar verständliche Personenmarke. Anders formuliert: deine Zielgruppe sollte ein sehr klares Bild von dir und deinen Leistungen haben. Folgende Aspekte sind dabei zu beachten:

  • Differenzierbarkeit

Deine Stärken und Qualitäten sollten hervorgehoben werden, damit du dich gegen potenzielle Mitstreiter durchsetzen kannst.

  • Einzigartigkeit

Je einzigartiger du bist, desto leichter wird es sein eine eigene Nische zu finden, die für deine Zielgruppe relevant ist. Du brauchst also ein Alleinstellungsmerkmal, welches du in deiner Außenkommunikation sehr präsent platzieren und immer wieder betonen solltest.

  • Strategie („Wie?“)

Hier legst du fest, wie du deine Marke nach außen repräsentieren möchtest. Anders gesagt: deine Strategie ist deine Entscheidung, wie du dich und deine Fertigkeiten vor Dritten vertreten und bewerben möchtest. Zu Beispielen kommen wir weiter unten.

  • Kommunikation

Deine Positionierung beeinflusst die Art und Weise, wie du deine Marke nach außen bewirbst. Deine Außenkommunikation ist abhängig von deinen Werten, Zielen und deiner Zielgruppe. Dazu später mehr.

4. Storytelling (& Design)

Jeder Mensch hat eine Geschichte. Folglich kann auch jede Personalbrand ihre ganz eigene, individuelle Geschichte haben. Menschen lieben Geschichten. Daher eignet sich Storytelling sehr gut, um deine Personenmarke zu formen. Das Schöne an Storytelling ist, dass du keine fertige Geschichte brauchst, sondern sich deine Geschichte Stück für Stück entwickeln kann. So kannst du bereits Dinge kommunizieren, die noch nicht existent sind. Viele Kreative nutzen das, in dem sie z.B. über geplante Projekte berichten oder Bücher anpreisen, welche noch gar nicht veröffentlicht sind. Sie lassen ihre Zielgruppe am Prozess teilhaben.

Für eine erfolgreiche Storytelling-Strategie solltest du die Fertigkeit mitbringen, fesselnd zu erzählen und bereit sein, dich zu öffnen. Es geht nicht darum, private Geschichten auszupacken, sondern spannende Erlebnisse, Erkenntnisse oder Herausforderungen mit deinem beruflichen Kontext zu verbinden.

Beispiele: Wenn du Autor*in bist, dann ist dein Ziel möglichst viele Menschen auf deine Bücher aufmerksam zu machen und deine Geschichten mit ihnen zu teilen. Deine Zielgruppe sind Leser*innen, die sich für dein Genre, deinen Schreibstil, deine Geschichten und Person begeistern lassen. Viele Autoren halten sich gerne im Hintergrund auf und bewerben lediglich ihre Bücher. Damit verspielen sie meines Erachtens das Potenzial, über ihre Persönlichkeit zu punkten. Ein gelungenes Personal Branding würde an der Stelle so aussehen, dass du mehr von dir preisgibst, deine eigene Geschichte thematisierst und den Lesern damit einen Eindruck von dir als Mensch hinter der Schriftstellerei eröffnest. Vielleicht gibt es bestimmte Erlebnisse und Schlüsselmomente, die dich dazu gebracht haben, zu schreiben. Diese Dinge lassen sich wunderbar im Storytelling nutzen.

Auch dein Design erzählt eine eigene Geschichte. Verschiedene Farben, Schriftarten oder der textbasierte Schreibstil, vermitteln ein ganz bestimmtes Bild. Wenn du eine junge Zielgruppe hast, dann kannst du dieser womöglich kräftigere Farben und modernere Schriften zumuten, als dies bei einer eher gediegeneren, reiferen Zielgruppe der Fall wäre. Du kannst dich in Bezug auf Design an deinen eigenen Vorlieben und deinem Geschmack orientieren. Logischerweise ist das, was uns gefällt, Ausdruck unserer selbst und dadurch der Inbegriff von Authentizität.

In meinem persönlichen Fall nutze ich mein Design bereits als ersten „Filter“, um eine visuelle Entsprechung meiner Person zu übermitteln („jung“, „modern“, „unkonventionell“). Wer sich von pinken Farben, fetten Überschriften und dem lockeren „Du“ bereits abgeschreckt fühlt, der ist ganz wahrscheinlich nicht meine Zielgruppe.

5. multimediale Kommunikation

Denke daran, dass die Außenkommunikation in puncto Selbstvermarktung im Grunde einen Marketingmix darstellt. Es ist die Art und Weise, wie du im außen über deine Fertigkeiten und Produkte sprichst oder diese darstellst (Formate). Dabei ist nicht nur die verbale Kommunikation gemeint, sondern auch die visuelle. Gerade wenn du im visuellen Bereich tätig bist, ist dieser Punkt für dich spannend. Wir kennen alle großartige Werbeaktionen oder Plakate, die ohne ein einziges Wort auskommen. Starke Bilder sprechen für sich und sollten daher unbedingt Teil deines Marketingmix sein. Grundsätzlich solltest du Formate wählen, die dir Freude bereiten und die du ohne größeren Aufwand kontinuierlich umsetzen kannst. Es ergibt keinen Sinn auf Formate zu setzen, die womöglich „gut gehen“, aber dir absolut keinen Spaß machen. Denn auf kurz oder lang wirst du wahrscheinlich die Lust verlieren – und zudem strahlst du das wahrscheinlich unterbewusst aus und deine Zielgruppe merkt, dass irgendwas unstimmig ist.

6. Beispiele & geeignete Formate

Welche Medien-Formate gibt es?

  • Visuelle Elemente:
    • Grafikdesign: Die Verwendung von Logi, Farben, Schriftarten und visuellen Elementen, um deine Ich-Marke zu repräsentieren
    • Fotos/ Videos/ Vlogs: Bilder und Videos können Geschichten erzählen, Emotionen vermitteln und deine Markenbotschaft visuell unterstützen
    • Webdesign: Die Gestaltung von Websites, Apps und anderen digitalen Plattformen, wenn du darin fit bist
  • Auditive Elemente:
    • Sound Branding: Die strategische Verwendung von Klängen, Jingles oder Melodien, um deine Ich-Marke zu identifizieren und eine emotionale Verbindung herzustellen
    • Sprachgesteuerte Assistenten/Bots: Die Integration von Chatbots oder Sprachassistenten, um mit der Zielgruppe zu interagieren
    • Podcasts/ Hörspiele: Starte deinen eigenen Podcast, in dem du über relevante Themen sprichst, die deine Zielgruppe interessieren. Teile persönliche Geschichten, Erfahrungen und Erkenntnisse oder lade Gäste ein, um mit ihnen über verschiedene zielgruppenrelevante Themen zu sprechen
  • Textbasierte Kommunikation:
    • Content-Marketing: Die Erstellung von relevantem und ansprechendem Inhalt, der die Marke positioniert und einen Mehrwert für deine Zielgruppe bietet
    • Soziale Medien/ Blog/ Webseite: Textbeiträge, die auf Plattformen, Foren, dem eigenen oder fremden Blogs veröffentlicht werden
  • Interaktive Medien:
    • Animationen und interaktive Grafiken: Bewegte Bilder oder interaktive Elemente, um die Aufmerksamkeit deiner Zielgruppe auf sich zu ziehen
    • Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR): Technologien, die es ermöglichen, Markenerlebnisse in virtuellen Umgebungen zu schaffen
    • Webinare und Online-Kurse: Webinare oder Kurse zeigen nicht nur deine Expertise, sondern ermöglichen auch die direkte Interaktion mit deiner Zielgruppe

Als Solopreneur und Künstler ist es wichtig ein (oder mehrere) Format(e) zu wählen, welche du 1. umsetzen und 2. langfristig aufrechterhalten kannst. Denn das A und O einer erfolgreichen und nachhaltigen Personalbrand heißt Kontinuität. Denk also bei der Wahl deiner Formate daran, dass du diese auf kontinuierlicher Basis umsetzen kannst, da du sonst immer wieder an Sichtbarkeit einbüßen wirst.

Achte außerdem darauf, dass deine Medien konsistent sind und die gleichen Werte über die verschiedenen Kanäle hinaus vermittelt werden, sonst verlierst du an Glaubwürdigkeit. Ein stimmiges Bild über alle Formate hinweg ist sehr wichtig.

Vergiss neben den Medienformaten nicht die Präsenz. Netzwerktreffen oder Konferenzen mit Gleichgesinnten bieten immer wieder Potenzial um Menschen von Angesicht zu Angesicht zu begeistern.

Fazit

Um eine erfolgreiche Personalbrand aufzubauen benötigst du drei Dinge. Eine gute Selbstkenntnis, Kenntnis über deine Zielgruppe und einer geeigneten Strategie, um deine Markenwerte und -identität glaubwürdig zu vermitteln. In diesem Artikel sind wir die wichtigsten Punkte zum Aufbau deiner Personenmarke durchgegangen und haben uns einen Überblick über alle möglichen Medienformate verschafft, die für deine Außenkommunikation infrage kommen. Als Künstler und Kreativer hast du vielfältige Möglichkeiten, deine Fertigkeiten und Angebote gewinnbringend zu vermarkten. Wichtig ist, dass du Formate wählst, die zu dir passen. Nicht nur, damit du möglichst authentisch wirkst, sondern damit du dranbleiben kannst. Selbstvermarktung geschieht nicht über Nacht, sondern ist viel mehr ein Prozess, der dich fortlaufend begleitet. Du musst bereit sein, eine langfristige Strategie zu verfolgen, um deinem Ziel Stück für Stück näher zu kommen. Dabei wünsche ich dir viel Durchhaltevermögen und viel Erfolg. Genieße den Prozess!

Solltest du Fragen haben oder dir konkrete Unterstützung wünschen, dann kontaktiere mich gern.

Das ist der dritte und letzte Teil der „Personal Branding als Künstler*in“-Reihe. Im folgenden Artikel soll es um die Herausforderungen gehen, die einem beim Aufbau der eigenen Personalbrand begegnen.  

Artista | Maria Chiariello

Ich bin Berufskünstlerin und Mentorin. Hier schreibe ich über künstlerisch-kreatives Potenzial in beruflichen Kontexten. Ich freue mich, wenn ich inspirieren kann.

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