Artista | Maria Chiariello

Personal Branding als Künstler*in - So vermarktest du dich richtig (Teil 1: Wer bist du?)

Artista | Maria Chiariello

20. April 2024

Was haben Andy Warhol, Albrecht Dürer und Joseph Beuys gemeinsam?

Sie alle waren Superstars der Kunst – kurz: wahre Selbstdarsteller! 

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Im Personal Branding dreht sich alles um die Frage: Wer bist du? | Bild: Ben Robbins

Es gibt Charaktere, die scheinen intuitiv alles richtigzumachen. Doch nicht jeder wird als Selbstdarsteller geboren. Das Gute ist, du musst kein extrovertierter Mittelpunktmensch sein, um dir als Künstler eine erfolgreiche Personenmarke aufzubauen.  Jeder kann sich potenziell selbst vermarkten.

Mit ein paar Tipps und Tricks, kannst auch du Personal Branding lernen und zu deinem Vorteil einsetzen.  Aber alles der Reihe nach.

Was ist Personal Branding?

Personal Branding bedeutet den Aufbau einer Personenmarke. Das Besondere ist, dass es nicht darum geht ein Produkt oder eine Dienstleistung zu vermarkten, sondern deine eigene Person als Marke zu etablieren. Es geht also darum, deine Fertigkeiten, Persönlichkeit und fachlichen Kompetenzen positiv herauszustellen und dir damit eine Reputation aufzubauen. Gerade im digitalen Zeitalter und durch die stetig wachsende Konkurrenz wird der „Expertenstatus“ auch außerhalb von Fachkreisen immer wichtiger. Es kann also nicht schaden, wenn du als Künstler oder Kreativer an deiner „Ich-Marke“ arbeitest.
 
 
Zunächst vorab: Das Thema „Personal Branding“ ist sehr umfangreich. Es gibt nicht umsonst ganze Bücher, Seminare oder Workshops, in denen das Thema in seine Einzelteile zerlegt und aufbereitet wird. Ich habe etliche Online-Artikel gewälzt, um mir einen Überblick zu verschaffen, was es da draußen zu der Thematik bereits gibt. Und ich war überrascht und enttäuscht, wie oberflächlich das Thema oftmals abgebügelt wird. Gerade in Bezug auf die Kunst- bzw. Kreativbranche habe ich wenig Hilfreiches gefunden.
Daher folgt jetzt der erste Teil einer dreiteiligen Reihe, um dir als Künstler*in und Kreative*r die wichtigsten Grundlagen von Personal Branding an die Hand zu geben. 
Wir werden uns in diesem Artikel mit der Frage beschäftigen, wer du bist. Denn ohne Selbsterkenntnis ist es schier unmöglich, eine „Ich-Marke“ aufzubauen.
Um den Sinn der einzelnen Fragen zu verdeutlichen, werde ich jeden Punkt mit einem konkreten Beispiel versehen.

1.) Worin bist du gut/ nicht so gut?

Bevor du eine starke Personenmarke aufbauen kannst, musst du sehr genau wissen worin deine Stärken und Schwächen liegen. Je besser du dich kennst, desto leichter wird es dir fallen deine Stärken gezielt hervorzuheben und zu nutzen, sowie deine Schwächen zu kompensieren. Die Personal Brand ist schließlich kein Selbstzweck, sondern soll dir dazu dienen, deine Qualitäten und Kompetenzen zielgerichteter nach außen zu tragen.

Zu allererst solltest du dir in dem Zusammenhang also folgende Fragen stellen:

  • Worin bin ich gut?
  • Was liegt mir?
  • Wie kann ich das gezielt nutzen?
  • Worin bin ich nicht so gut?
  • Was kann ich tun, um meine Schwächen zu umgehen?

Nimm dir Zeit, um diese Fragen für dich ausführlich und ehrlich zu beantworten. Schreib dir die Antworten auf, so dass du ein klares Bild gewinnst.

Sollte dir die eigene Reflexion schwerfallen, dann kannst du auch auf die Hilfe von außen zurückgreifen. Frag enge Freunde und Menschen, die dich besonders gut kennen, dazu aus. In der Regel werden ihnen mit Sicherheit Dinge einfallen, die dir als hilfreiche Impulse nützen können.

Beispiel: Nehmen wir an, dass du dich als Musiker*in selbstständig machen willst. Du bist ein Ass auf der Gitarre, schaffst es immer das Publikum mitzureißen und bist eine regelrechte One-(Wo-)Man-Show. Du bist bodenständig und bescheiden. Es liegt dir nicht so, dich überall anzupreisen und ständig zu erzählen, wie toll du bist. Eigentlich willst du nur Musik machen. Zudem bist du ein introvertierter Typ und fühlst dich extrem unwohl bei dem Gedanken an „Vertrieb“. Diese Erkenntnis ist extrem wichtig, denn sie ebnet den Weg für alle weiteren Schritte und letztlich für den Aufbau deiner Außenkommunikation. Sie entscheidet darüber, was und wie du es tust. Ohne diese Erkenntnis fehlt dir die Basis für eine Strategie, die zu dir und deiner Persönlichkeit passt. Ein introvertierter Typ, der sich nicht so gut selbst verkaufen kann, der ist wahrscheinlich nicht gut damit beraten, wenn er auf eine Contentstrategie setzt und den ganzen Tag damit zubringt Videos für die Sozialen Medien abzudrehen. Abgesehen davon, dass wir Dinge, die uns keine Freude bereiten nie durchziehen werden. Was mich zum zweiten Punkt bringt.

2.) Was machst du am liebsten?

Marc Anthony hat mal gesagt „If you do what you love, you’ll never work a day in your life“. Ähnliche Zitate gibt es auch von Mark Twain und sogar Konfuzius. Die Idee dahinter ist, dass Dinge, die wir gerne tun uns leichter von der Hand gehen. Wir müssen uns dafür nicht überwinden. Daher fällt es leichter, diese kontinuierlich zu tun. Kontinuität spielt beim Aufbau einer Personal Brand und im Unternehmertum grundsätzlich eine riesige Rolle.

Frag dich also bereits am Anfang „Wofür brenne ich?“. Ziel sollte es sein deine Leidenschaft zu benennen und deinen Fokus darauf zu richten.

Beispiel: Du bist Illustrator*in und zeichnest für dein Leben gern. Wann immer du kannst, hast du Stift und Papier in der Hand und sitzt an neuen Charakteren und Welten. Die Erkenntnis ist wichtig, damit du weißt womit du dich hauptsächlich beschäftigen solltest und worauf du dich perspektivisch konzentieren solltest. Ich weiß, dass das manchmal nicht so einfach ist, gerade wenn du von deiner Leidenschaft (noch) nicht leben kannst und deshalb gezwungen bist, deine Zeit in einen anderen Job zu investieren. Dennoch kann es helfen sich das vor Augen zu führen, um in der Zukunft darauf hinzuarbeiten, das zu ändern und die Leidenschaft zur Priorität zu machen.

3.) Was unterscheidet dich von anderen?

Egal wie gut du bist, egal was du tust, es ist unwahrscheinlich, dass du damit die oder der Einzige sein wirst. Daher ist es besonders wichtig dein Alleinstellungsmerkmal zu finden. Denn keiner ist wie du, auch wenn es wahrscheinlich viele da draußen gibt, die die gleiche oder ähnliche Sache machen. Welche Merkmale besitzt du, die andere nicht haben? Deiner Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Es können sowohl äußerliche als auch innerliche Merkmale sein.  Je origineller und einprägsamer, desto besser.

Prominente Beispiele: Karl Lagerfeld war bekannt für seinen eleganten Kleidungsstil, stets in schwarz mit weißem Pferdeschwanz und Sonnenbrille. Wiedererkennungswert Hoch 10.
Elton John trug stets ausgefallene Designer-Sonnenbrillen.
Gary Vee ist ein unglaublich stressiger, aber auch motivierender Typ. Sein Markenzeichen ist eher sein Temperament, was aber absolut authentisch ist.
Frage dich also, welchen Spleen hast du, was unterscheidet dich von anderen und nutze das für deine Außenwirkung.

4.) Welche Werte sind dir wichtig?

Das ist der womöglich wichtigste Punkt, wenn es um deine Markenidentität geht. Werte sind deine allgemeinen Zielvorstellungen. Es gibt sowohl persönliche als auch gesellschaftliche Werte. Ein paar „große“ Beispiele wären Freiheit, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Vertrauen.
Deine Werte sind das Fundament einer glaubwürdige Identität. Nur wenn du deine Werte kennst und nach außen trägst, kannst du damit Menschen mit ähnlichen Werten ansprechen.
Solltest du Schwierigkeiten haben deine Werte zu finden, dann kannst du nach „Werte-Tests“ googlen. Ich empfehle dir mehrere dieser Tests zu machen, um deinen persönlichen Wertenvorstellungen näher zu kommen. Grenze deine wichtigsten Werte auf eine überschaubare Anzahl ein. Ziel sollte es nicht sein, all deine Werte krampfhaft in deine Personal Brand zu stopfen, sondern eine Personenmarke zu etablieren, die ein paar wenige, starke Werte vertritt.

Beispiel: Nehmen wir an, du bist Fotograf*in und betreibst ein eigenes Studio. Professionalität, Ordnung und Pünktlichkeit sind dir sehr wichtig. Dein Studio ist stets aufgeräumt, stylish möbiliert, die Zufriedenheit deiner Kunden liegt dir sehr am Herzen, kurz: du willst, dass sich Menschen bei dir wohlfühlen. Im Gegenzug legst du aber auch bei deinen Kunden wert auf eine professionelle Zusammenarbeit. Du wünschst dir Kunden, die genauso wie du gepflegt/ ordentlich gekleidet und pünktlich zu Shooting-Terminen erscheinen. Über deine eigenen Werte setzt du eine Art „Filter“ an.
Kommunizierst du deine Werte nicht klar genug nach außen, dann würdest du womöglich Menschen in dein Studio ziehen, die wertetechnisch gar nicht zu dir passen und über die du dich ärgern würdest. Deine zukünftigen Zusammenarbeiten hängen also zu großen Stücken von deinen Werten ab.

5.) Was ist dein Ziel? (Dein „Warum“)

Simon Sinek ist wahrscheinlich das prominenteste Beispiel, wenn es um die Frage nach deinem“Warum“ geht. Schau dir dazu gern seinen „golden Circle“ an.
Laut Sinek ist das Ziel bzw. dein Warum der Kern, um den es bei deiner Unternehmung letztlich geht. Damit gemeint sind deine Überzeugungen und den Glauben an die eine Sache, die du unbedingt umsetzen willst.

Also, was ist dein Warum?
Wenn ich an mein Warum denke, dann ist es der Wunsch das Potential von uns Künstler*innen und Kreativen in die Welt hinauszutragen und zu zeigen, dass wir Kompetenzen haben, die nützlich und wertvoll sind. Das ist der Antrieb, der hinter jeder neuen Sache steckt, die ich anfange. Aber das war nicht immer so.
Sein Warum zu finden ist schwieriger, als es scheint. Und es kann sich auch immer mal ändern. Wichtig ist zu verstehen, dass sich mit jeder Änderung des Ziels auch die gesamte „Mission“ und Richtung der Unternehmung mitändern muss.

Beispiel: Du bist Entertainer*in. Du unterhältst gern und bringst die Menschen gern zum Lachen. Du glaubst daran, dass du die Welt damit ein kleines Stück besser machen kannst. Deshalb ziehst du jedes Wochenende los und spielst auf Offenen Bühnen, obwohl du nicht einen einzigen Cent dort verdienst.
Dann gibt es da diesen einen Kollegen. Der ist Comedian, steht gern im Rampenlicht und genießt es, wenn Leute über seine Witze lachen. Der spielt mittlerweile in größeren Clubs und nimmt ordentlich Eintritt, weil er davon überzeugt ist, dass gute Unterhaltung auch was kosten darf. Für lau wird der nirgendwo mehr auftreten.
Worauf ich hinaus will: das woran du glaubst, bestimmt den Weg den du gehst.

6.) Wie kommunizierst du am liebsten?

Im letzten Punkt geht es darum all deine neu gewonnenen Erkenntnisse für Dritte sichtbar zu machen. Dafür ist wichtig zu klären, welcher Kommunikationstyp du bist.
Stehst du gern im Rampenlicht oder bleibst du lieber im Hintergrund?
Kannst du dich problemlos vor der Kamera zeigen oder bevorzugst du andere Formate?
Liegt dir schriftliche, textbasierte Kommunikation? Kannst du dir vorstellen zu bloggen oder Bücher zu schreiben? Wenn du Musik machst, lädst du lieber nur Songs hoch oder genießt du es, zusätzlich dazu aufwendige Musikvideos zu produzieren?
Du merkst, dein Kommunikationstyp entscheidet darüber, welche Strategie du für deine Außenkommunikation anwenden kannst. Ich denke ich brauche nicht zu erwähnen, dass die gewählte Strategie zu dir und deiner Persönlichkeit passen muss.

Beispiel: Nehmen wir an, du planst dir mit kreativen Workshops etwas aufzubauen. Du willst Online-Kurse geben und suchst nun nach einem Weg, wie du diese bewerben kannst. Wenn du Spaß an Videos hast, dann wähle ein Videoformat, um über deine Kurse zu berichten.
Wenn du gut und gerne schreibst, dann starte einen Blog, der thematisch zu deinen Kursen passt. Denk immer daran ein Format zu wählen, was dir liegt.
Du tust dir keinen Gefallen, wenn du dich ungern reden hörst und beschließt einen Podcast zu starten. Obwohl es so logisch erscheint, sehe ich gerade auf Social Media immer wieder Fälle, bei denen es genau an dieser Stelle hapert. Plötzlich stehen Menschen vor der Kamera, die sich sichtlich unwohl fühlen. Musiker brennen aus, weil sie Content am Fließband produzieren. Das alles muss nicht sein und ist wenig zielführend.
Am Ende wirst du dich auch nie gegen jemanden durchsetzen, der seine Sache lieber und deshalb besser als du macht.

Fazit

Als Kreative*r eine Personal Brand aufzubauen ist ein Prozess und dauert seine Zeit. Das weiß ich aus persönlicher Erfahrung sowie aus der Zusammenarbeit mit meinen Kunden im Mentoring. Wichtig ist es, sich zu Beginn sehr ausführlich mit sich auseinanderzusetzen und daraus eine möglichst klare Identität für seine Personenmarke zu entwerfen. Dabei sollte vor allem Wert auf Glaubwürdigkeit (Authentizität) gelegt werden. Die Personenmarke ist eine Repräsentation deiner eigenen Werte, Kompetenzen und Expertise. Mithilfe einer starken Personal Brand kannst du positiv aus der Masse herausstechen, Menschen mit ähnlichen Werten anziehen und deine berufliche Karriere fördern.

In diesem ersten Artikel sind wir der Frage nachgegangen, wer du bist und was dich ausmacht. Im zweiten Teil soll es dann um deine Zielgruppe gehen. 

Artista | Maria Chiariello

Ich bin Berufskünstlerin und Mentorin. Hier schreibe ich über künstlerisch-kreatives Potenzial in beruflichen Kontexten. Ich freue mich, wenn ich inspirieren kann.

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