Artista | Maria Chiariello

Personal Branding als Künstler*in: Wer soll dich kennen? (Teil 2: Deine Zielgruppe)

Artista | Maria Chiariello

21. April 2024

Arnold Schwarzenegger hat in einem Interview mal sehr treffend gesagt „You can have the best product in the world, but if no one knows about it, you have nothing.“ 

Zebrastreifen von oben, trublige Menge
Die Frage ist: Wer soll dich kennen? | Bild: Ryoji Iwata

Was uns Arnold damit sagen möchte ist, dass Kompetenzen oder eine gute Sache allein nicht ausreichen, um erfolgreich zu sein. Wir brauchen den Zuspruch von außen, um wirklich etwas zu erreichen. Als Künstler und Kreative sind wir von unserem Publikum abhängig. Für die Individualisten unter euch wird das nun eine bittere Pille sein. Denn wenn ihr bisher dachtet, es gäbe irgendeinen Weg, wie ihr ganz allein aus dem stillen Kämmerlein heraus eure Ziele erreichen könntet, dann muss ich euch leider enttäuschen. Ihr braucht eine Zielgruppe. Und genau um diese soll es in dem zweiten Artikel hier gehen. 

Falls ihr den ersten Artikel „Personal Branding als Künstler*in – So vermarktest du dich richtig (Teil 1: Wer bist du?)“ noch nicht gelesen habt und dies nachholen wollt, dann könnt ihr das gerne vorher tun. Darin dreht sich alles um wichtige Fragen, die deine Selbstreflexion anregen sollen. Denn du bist schließlich der Kern deiner Ich-Marke. 

Wer ist deine Zielgruppe?

Beim Personal Branding geht es darum, eine glaubwürdige und starke Ich-Marke zu werden. Neben einer guten Selbstkenntnis benötigst du dafür auch eine sehr genaue Vorstellung über deine potenzielle Zielgruppe. Wer sind die Menschen, die du begeistern möchtest?

Vorab: „alle“ ist keine Zielgruppe. Wenn du glaubst, dass du, deine Dienstleistung oder dein Produkt für alle interessant sein könnte, dann lies unbedingt weiter.

Wenn du meinen ersten Artikel „Teil 1: Wer bist du?“ gelesen hast, dann weißt du bereits, dass deine Werte eine große Rolle spielen. Sie geben dir bereits die Richtung von Menschen vor, welche zu dir passen könnten. Dein Traumkunde wird dir in der Regel sehr ähnlich sein. Logisch, oder? Wir fühlen uns schließlich bei Menschen, die uns ähnlich sind, am wohlsten. Es ergibt also Sinn, an der Stelle nochmal über die eigenen Werte nachzudenken und dich zu fragen „würde ich gern mit mir selbst zusammenarbeiten und wenn ja, wie würde ich mich von meinem eigenen Angebot am besten angesprochen fühlen?“.

1. Wer soll dich kennen?

Natürlich sind Menschen, die dir ähnlich sind, nicht deine einzige, potenzielle Zielgruppe. Gut möglich, dass du eine bestimmte Gruppe von Menschen erschließen möchtest, die du spannend findest und dessen Interesse du gern wecken würdest. Als Künstler z.B. sind Galeristen und Kunstsammler immer spannend. Frag dich also unbedingt, wer dich kennen sollte, damit du deinen Zielen näher kommen kannst.

Schreib dir die Orte auf, an denen du gern präsent sein würdest und schließe dann von diesen Orten aus auf bestimmte Personengruppen.

Beispiel: Nehmen wir an, du willst unbedingt als Singer-Songwriter auf einem bestimmten Festival auftreten. Dann frage dich, wer macht das Line-up? Wer organisiert das Festival? Deine Zielgruppe in diesem Fall wäre die Agentur bzw. der Booker. Wenn du das weißt, dann kannst du diese ausfindig machen und deine Kontaktaufnahme planen.

2. Welche Bedürfnisse hat deine Zielgruppe?

Es wäre leicht, wenn wir unsere Zielgruppe bloß benennen können müssten. Das ist aber leider nur die halbe Miete. Die Arbeit fängt an dem Punkt gerade erst an. Wenn du für dich geklärt hast, welche Art von Menschen du mit deiner Kunst erreichen möchtest, dann frage dich Folgendes:

  • Welche Bedürfnisse hat meine Zielgruppe?
  • Welche wunden Punkte gibt es?
  • Worin kann ich meine Zielgruppe unterstützen?

Wir Menschen sind grundsätzlich an Menschen interessiert, von denen wir etwas lernen können. Das muss nicht unbedingt im klassischen Stile Unterricht oder Coaching sein, es kann auch abstrakt sein: Wir möchten gern inspiriert werden und das Gefühl haben, uns durch einen anderen Menschen positiv weiterzuentwickeln.

Gerade als Künstler und Kreativtreibende sind wir damit in einer dankbaren Position. Denn wenn wir eines können, dann ist das andere zu inspirieren.

Beispiel: Nehmen wir an, dass du bildende Künstlerin bist und dein Handwerk beherrschst und/oder eine Ausbildung durchlaufen hast. Deine Zielgruppe interessiert sich nicht nur für deine Bilder, sondern auch die Art und Weise, wie du diese umgesetzt hast. Es gibt also ein Bedürfnis, mehr über die technische Seite deiner Kunst zu erfahren. Du hast also unterschiedliche Möglichkeiten, dieses Bedürfnis zu stillen. Wenn dir das Erklären liegt, dann könntest du Videos oder Podcasts aufnehmen, in denen du über die technische Seite deiner Kunst sprichst. Vielleicht hast du auch Lust, deine Fertigkeiten an Anfänger weiterzugeben und ihnen das Malen beizubringen. In dem Fall könntest du einen Kurs erarbeiten.

Du siehst, aus den Interessen und „Problemen“ deiner Zielgruppe lassen sich für dich potenzielle Angebote ableiten. Grundsätzlich ist es sinnvoll, dich zu fragen „wie kann ich meiner Zielgruppe einen Mehrwert bieten/ sie unterstützen?“ Gerade in Fragen der Selbstvermarktung vergessen wir oft, dass es nicht Sinn der Sache ist, uns zu inszenieren und unser Image aufzubauschen, sondern dass dahinter immer noch die Sache steht. Wir haben etwas zu sagen! Personal Branding sollte kein Selbstzweck werden, sondern dazu dienen, deine Projekte und Ideen sichtbar zu machen. Ohne entsprechende Qualität ist es bloß hohles Marketing – und ich denke, das ist nicht in unserem Interesse. 

3. Wo ist deine Zielgruppe?

Nun, da du weißt, wer deine Zielgruppe ist und wie du dieser dienlich sein kannst, ist es an der Zeit dich der Frage zu widmen, wo sich deine Zielgruppe herumtreibt. An der Stelle musst du Marktforschung betreiben und deine potenziellen Traumkunden gut beobachten. Hierbei geht es nicht darum, jede individuelle Eigenart herauszufinden, sondern eine Art Kategorisierung vorzunehmen. Ich unterteile dabei gern in Online und Präsenz.

Um ein paar potenzielle Orte online zu nennen: das Internet, Foren, soziale Medien, Online-Magazine, Kleinanzeigen, Künstlerportale (interessant, falls du dich als Musiker*in für Veranstaltungen anbieten möchtest), Online-Galerien o.ä. 

Offline-Orte wären: Veranstaltungen, Netzwerktreffen, Vereine, Märkte, Feste uvm. Praktisch jeder Ort, der zum Leben und den Interessen deiner Zielgruppe passt.  

Natürlich ist das hier nur eine stark vereinfachte Darstellung. Deine Zielgruppe ist keine homogene Masse, die sich gebündelt an nur einem einzelnen Ort aufhält. Es sollte klar sein, dass du von verschiedensten Orten ausgehen kannst. Und es individuell immer wieder Abweichungen geben wird – von Typ zu Typ.  

Beispiel: Wenn ich von mir persönlich ausgehe, dann weiß ich als Künstlerin & Mentorin für Gründer*innen im künstlerisch-kreativen Bereich, dass sich meine Zielgruppe potenziell auf den Sozialen Medien aufhält. Allerdings weiß ich auch, dass meine Dienstleistung (Mentoring) für Viele erstmal nicht greifbar ist. Es ist absolut unwahrscheinlich, dass dort jemand nach meiner Unterstützung sucht, weil er höchstwahrscheinlich noch gar nicht weiß, dass ich ihm behilflich sein könnte. In meinem Fall muss ich meist viel im Vorfeld erklären und meine Dienstleistung indirekt bewerben, sodass meine potenzielle Zielgruppe überhaupt Wind davon kriegt, dass es mich gibt. Insofern kann ich die sozialen Medien zwar nutzen, muss aber relativ viel Zeit und Energie investieren. Also muss ich überlegen, an welchen Orten sich meine Zielgruppe außerhalb von SoMe noch aufhält. Lokale Netzwerktreffen von Neugründern bieten sich z.B. immer gut an, um neue Kontakte zu knüpfen und potenzielle Kunden zu gewinnen. 

4. Wie erreichst du deine Zielgruppe?

Jede Zielgruppe hat ihre ganz besonderen Vorlieben in Bezug auf Kommunikation. Es ist also wichtig, herauszufinden, wie deine Zielgruppe angesprochen werden will. Es gibt Charaktere, die direktes Marketing grundsätzlich meiden. Du hast also schlechte Karten, wenn du versuchst bei so einer Zielgruppe mit der Tür ins Haus zu fallen. Du wirst am Anfang nicht umhinkommen, verschiedenste Kommunikationsformen auszuprobieren, um herauszufinden, welche bei deiner Zielgruppe am besten ankommt und mit welcher du dich am wohlsten fühlst. Denk immer daran, eine Art und Weise der Ansprache zu wählen, die zu dir passt. Nichts ist schlimmer als eine unauthentische Marketingstrategie, wenn es darum geht deine Personalbrand aufzubauen.

Frage dich deshalb auch „welcher Kommunikationstyp bin ich?“, „welche Art der Vermarktung liegt mir?“, „was kommt gut bei meiner Zielgruppe an?“. Die Art und Weise, wie du auf deine Zielgruppe zugehst, ist maßgeblich für deinen Erfolg verantwortlich. Du kannst keine Beziehung aufbauen, wenn du an deiner Zielgruppe vorbeikommunizierst. Wir alle kennen aufdringliche Vertriebler, die wir allein aufgrund ihrer Penetranz entnervt abwimmeln. Das WIE ist entscheidend, wenn es um Kommunikation geht. 

Beispiel: Nehmen wir an, du bist introvertiert und tust dich in der Kommunikation mit Menschen grundsätzlich schwer. Vor dem Internet hättest du womöglich schlechte Karten gehabt. Aber wir leben zum Glück in anderen Zeiten. Heute kannst du dir beruflich etwas aufbauen, ohne Kaltakquise betreiben zu müssen. Durch zielgruppenorientierte Themen und SEO kannst du z.B. – wie ich – über einen Blog erreichen, dass dich deine potenzielle Zielgruppe über Suchanfragen findet und auf dich aufmerksam wird. Es kann also durchaus eine profitable Strategie sein, einen Blog zu betreiben, wenn du weißt, dass sich deine Zielgruppe bei Fragestellungen gern vorab online informiert. Content-Marketing im Allgemeinen ist eine gute Möglichkeit, wenn du langfristig darauf abzielst, dich mit gewissen Themen zu positionieren und von anderen gefunden zu werden.

Allerdings würde ich dennoch dazu raten verschiedene Marketingstrategien zu kombinieren und mich nicht nur auf das Erstellen von Content bzw. die sozialen Medien beschränken. Es sind mittlerweile einfach zu viele, die genau das versuchen. Nutze zu deinem Vorteil, dass deine Zielgruppe an unterschiedlichsten Orten herumspringt und versuche dort ebenfalls präsent zu sein.  Neulich erzählte mir eine Künstlerin, die pompösen Schmuck anfertigt, dass ihre Zielgruppe Ü60 sei und sie sich deshalb nun beim Seniorensport anmelde, um dort an die Damen heranzukommen. Du siehst, die Wege dürfen durchaus kreativ sein.

Fazit

Personal Branding hat das Ziel, aus dir eine glaubwürdige Personenmarke mit starken Werten und einer Markenidentität zu machen. Wichtig ist dabei einerseits, dass du dich gut kennst und weißt, worin deine Stärken liegen. Andererseits solltest du dabei auch ein sehr gutes Bild deiner Zielgruppe haben. Je besser du diese kennst, desto zielgerichteter kannst du dein Angebot an diese adressieren. Gezielte Fragen und Marktforschung kann dir dabei helfen, deine Zielgruppe zu kategorisieren und daraus eine passende Marketingstrategie abzuleiten. 

Das war der zweite von drei Artikeln aus meiner Personal-Branding-Reihe. Im dritten Artikel soll es um die Strategie und den Aufbau deiner Personenmarke gehen. 

Artista | Maria Chiariello

Ich bin Berufskünstlerin und Mentorin. Hier schreibe ich über künstlerisch-kreatives Potenzial in beruflichen Kontexten. Ich freue mich, wenn ich inspirieren kann.

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