Artista | Maria Chiariello

Nicht geschimpft ist genug gelobt? Als Künstler*in mit Ignoranz umgehen

Artista | Maria Chiariello

08. Mai 2024

„Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich“, hat Max Raabe bereits 1992 festgestellt und elegant das Thema Ignoranz besungen

ignoranz
Nobody cares | Bild: Eddi Aguirre

Ignoriert werden tut weh. Das Gefühl zu haben, dass sich niemand für die eigene Person oder Leidenschaft interessiert, ist schmerzhaft. Das gilt ganz besonders für Künstler*innen.

Dabei ist es schon hart genug, den Mut aufzubringen, sich und seine Kunst zu zeigen. Wer will dann schon gern zusätzlich die Erfahrung machen, nicht gesehen und wertgeschätzt zu werden?

Genauso wie Kritik trifft uns auch Gleichgültigkeit gegenüber unserer Kunst hart. Am schlimmsten ist das, wenn diese aus der eigenen Familie oder dem engeren Freundeskreis stammt. Letztlich liegt dem Ganzen immer der tiefe, menschliche Wunsch nach Anerkennung und Liebe zugrunde. Wir wollen alle gesehen und geliebt werden. Und es ist enttäuschend, wenn dies ausbleibt.

Die meisten denken an sich selbst

Trotzdem wirst du als Künstler*in deinen Weg finden müssen, mit Ignoranz und fehlender Wertschätzung klarzukommen. Es führt kein Weg daran vorbei. Denn Fakt ist: die meisten Menschen da draußen interessieren sich nicht für dich, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.
Und das ist auch gut so.

Denk einfach mal kurz darüber nach, wie viele Gedanken du dir täglich über dich und das, was andere Menschen von dir denken könnten, machst. Das geht den meisten so. Und das macht es schon wieder befreiend.

Viele Dinge, über die du dir den Kopf zerbrichst, sind für die meisten Menschen in deinem Umfeld vollkommen irrelevant.

Sei nicht so hart zu dir selbst

Häufig sind wir mit uns selbst einfach überkritisch. Weil wir als Kinder dazugehören und anerkannt werden wollten, haben wir gelernt bestimmte „Fehler“ und „Schwächen“ an uns bestmöglich zu verstecken. Durch den ständigen Vergleich mit anderen, haben wir uns immer mehr Einstellungen angeeignet, um uns zu schützen und weniger verletzlich zu sein. Das Problem daran ist, dass dies häufig nur temporär hilft. Früher oder später stellen wir fest, dass wir in Denk- und Handlungsmustern gefangen sind, die uns eher hindern und weiterzuentwickeln, statt uns zu helfen. Als Erwachsene ist es umso mühseliger, diese ganzen Glaubenssätze und Einstellungen wieder loszuwerden.
Ignoriert zu werden trifft uns oftmals nur so hart, weil wir tief in unserem Inneren glauben, dass wir selbst nicht genug sind. Denn was mich trifft, betrifft mich. (Stichwort: Schattenarbeit).

Selbstakzeptanz & Verantwortung

Willst du diesen Gefühlen den Kampf ansagen und einen Umgang damit finden, dann steht an erster Stelle immer die Selbstakzeptanz. Du bist wie du bist und das ist gut so.

Was daraus folgt, ist die Verantwortung für dich und dein eigenes Leben. Das gibt dir die Macht über deine eigenen Handlungen und Entscheidungen zurück.

Sobald du die volle Verantwortung für dein Leben übernimmst, lernst du dein Glück nicht von anderen abhängig zu machen. Wenn jemand sich nicht für deine Kunst interessiert oder dir gegenüber gleichgültig ist, sagt dies nichts über deinen Wert als Künstler*in aus.

Bleib realistisch!

„Niemand interessiert sich für mich und meine Kunst!“, ist einfach falsch. Zum einen, weil es nie so ist, dass sich wirklich niemand (also kein einziger Mensch) für dich und deine Kunst interessiert.

Folglich müssten es also bestimmte Menschen oder Personengruppen sein, von denen du dir einfach mehr Anerkennung und Interesse wünschst. Also frage dich: wen meine ich konkret mit „niemand“?

Und zu guter Letzt: was meinst du mit „interessieren“? Was wünschst du dir konkret? Wie stellst du dir Interesse an dir und deiner Kunst vor?

Verantwortung ermächtigt dich, aktiv nach Wegen zu suchen, mehr Interesse in deiner potenziellen Zielgruppe zu wecken. Es nützt dir nichts, wenn du dich in der Opferrolle wähnst. Willst du interessanter sein, dann mach dich interessant!

Zeig deine Persönlichkeit!

Es gibt in der Kommunikation stets Sprecher und Zuhörer.
Auf den sozialen Medien wäre das Äquivalent: Produzenten (Creator) und Konsumenten (Follower). Wer bist du?

Um Interesse zu wecken, ist es nötig, das Wort zu ergreifen und Dinge von dir preiszugeben. Wenn du Angst hast abgelehnt zu werden und daher lieber schweigst, statt deine Meinung zu sagen, dann ist es verständlich, dass andere dich übergehen. Es liegt daran, dass du nicht greifbar bist und ihnen damit die Redehoheit überlässt. Trau dich aus der Deckung und hab keine Angst Haltung zu zeigen.

Viele Künstler*innen neigen dazu, sich hinter ihrer Kunst zu verstecken und sich als Person eher im Hintergrund aufzuhalten. Das wirkt auf andere Menschen distanziert und unpersönlich. Echtes Interesse entsteht erst durch persönliche Beziehungen. Zeig dich als Künstler*in hin und wieder, sei nahbar, gib Dinge von dir preis – so haben andere Menschen die Möglichkeit potenzielle Gemeinsamkeiten zu entdecken. Wir umgehen uns gern mit Menschen, die uns und unseren Werten ähnlich sind. Wenn niemand deine Werte kennt, dann ist das natürlich schwierig.

Wo liegt dein Fokus?

In unserer Leistungsgesellschaft sind wir größtenteils darauf gedrillt, uns Fertigkeiten anzueignen, Dinge zu erlernen und/oder Abschlüsse zu machen, die sich allesamt auf unser Können beziehen. Das ist schön und gut, nur weckt das kein wirkliches Interesse, an dem wer wir wirklich sind.

Statt von der Welt zu fordern sich für dich zu interessieren, frage dich: was kann ich der Welt bieten? Wenn du viele Follower auf den sozialen Medien anstrebst, dann frag dich: welchen Mehrwert kann ich Menschen bieten, die mir folgen?

Verbindungen schaffen

Wo Synergien sind, ist Interesse nicht weit. So banal es auch klingen mag: wenn du Interesse wecken möchtest, dann vernachlässige nicht deine eigenen Interessen. Sei offen für Neues, stell dich regelmäßig neuen Herausforderungen, lies Bücher, lausche Geschichten, sprich mit Menschen. In der Interaktion mit anderen Menschen hast du die Möglichkeit Dinge zu lernen und Menschen zu treffen, die ebenso interessiert sind wie du.

Du wirst feststellen: die Welt ist voller Menschen, die sich begeistern lassen. Wieso sollten sie nicht auch dich und deine Kunst wertschätzen?

Wenn das alles nichts hilft…

Manchmal ist es einfach so, dass das Gegenüber 0 Interesse mitbringt, ganz gleich, was du tust. Da hilft auch ein dreifacher Salto rückwärts nichts. Relax, das hat nichts mit dir zu tun. Lass dich nicht von Selbstzweifeln übermannen, sobald du auf jemanden triffst, der dich und deine Kunst ignoriert.

Dein Selbstwert sollte nie von der Meinung Dritter bestimmt werden. Arbeite an deinem Selbstwertgefühl und mach dir regelmäßig bewusst, dass fehlendes Interesse deines Gegenübers nicht gleichbedeutend ist damit, dass du ein qualitativ schlechter oder langweiliger Künstler bist.

Desinteresse und Ignoranz gehört im Künstlerdasein einfach dazu. Nicht jeder mag dich. Nicht jeder kann etwas mit dir anfangen. Das ist okay.

Fazit

Als Künstler*in mit Ablehnung und Desinteresse klarzukommen ist immer wieder ein Thema. Gleichgültigkeit und Ignoranz können weh tun. Doch es ist wichtig zu verstehen, dass die meisten Menschen einfach mit sich selbst beschäftigt sind. Wenn jemand deine Kunst ignoriert, dann sagt das nichts über deinen Wert aus. Nur weil dein Gegenüber dir nicht die Wertschätzung entgegenbringt, die du dir wünschst, bedeutet das nicht, dass du dein gesamtes Sein infrage stellen solltest. Du bist gut so wie du bist. Die Welt ist voller Menschen, die sich durchaus begeistern lassen. Diese gilt es zu finden. Interesse lässt sich wecken, wenn wir aktiv werden und Verantwortung für unser Handeln übernehmen.

Wenn du Lust hast gezielt und strategisch daran zu arbeiten mehr Interesse für dich und deine Kunst zu wecken, dann melde dich gern bei mir. Als individuelle Begleitung und Sparringspartnerin arbeite ich gern mit dir an deiner beruflichen und künstlerischen Weiterentwicklung. 

Artista | Maria Chiariello

Ich bin Berufskünstlerin und Mentorin. Hier schreibe ich über künstlerisch-kreatives Potenzial in beruflichen Kontexten. Ich freue mich, wenn ich inspirieren kann.

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